Premiere: 24. April 2014 19h
Vernissage am DO 24. April 2014 um 19 Uhr , Öffnungszeiten täglich bis 27. April von 16 Uhr bis 20 Uhr


„Der schwarze Faden“

Petra Zöpnek, geboren in Wien, arbeitet als Filmcutterin, als „monteuse“, wie es treffender auf Französisch heißt: Sie montiert Filmbilder, fügt sie zusammen, zu Erzählungen. Das tut sie jetzt auch mit ihren Photographien: Sie setzt sie zusammen, in ganz physischem Sinn. Sie näht sie aneinander, mit einem schwarzen Faden – der natürlich als Variation auf die Metapher „roter Faden“ zu verstehen ist. „Ein roter Faden“, sagt Petra Zöpnek, „zieht sich durch eine logisch konzise Geschichte. Meine schwarzen Fäden stehen für emotionale Ordnungen.“ So entsteht das, was Petra Zöpnek „Kingsize-Leporellos“ nennt: Bildsequenzen als Faltbilder. „Im Film setzt man Bilder in zeitlicher Abfolge, in einer ,timeline’ zusammen“, sagt Zöpnek, „in den Leporellos ist die Zeit aufgehoben, alles passiert auf einmal und bleibt da.“ Ihre Motive sucht sie und findet sie auf der Straße, in der Tradition der klassischen „street photography“. In ihren nächtlichen Szenen etwa stehen Schienenreiniger neben Sängerinnen, Barfrauen neben einem Wurstverkäufer, dessen Schürze verspricht: „Ich brate gern.“ Eine andere Serie, aufgenommen großteils in Syrakus, zeigt Badende, ein Mädchen, das ins Meer springt, während im Hintergrund eine Fabrik abbrennt, einen Buben, der sich mit einem Handtuch verhüllt hat, als ob er einen Wassergeist verkörpern wollte. Und dann ist da das Licht selbst: Wie es einen geisterhaften Halo über einem Polizeiauto bildet, das sich zwei demonstrierenden Punks nähert. Wie es die Ringstraße zu überfluten scheint. Wie es sich in einer schmalen sizilianischen Gasse bricht, über einer Laterne, unter der ein Fahrradfahrer ans freie Meer fährt, um fünf Uhr morgens. All diese Motive fängt Petra Zöpnek in grobkörnigem Schwarzweiß ein: „Das kommt für mich der emotionalen Realität näher als die Farbphotographie “, sagt sie: „und das Schwarzweiß steht auch für die Vergangenheit. Sobald ich den Auslöser gedrückt habe, ist das Motiv vergangen, ich kann es nicht mehr ändern. Ich sehe es erst in der Dunkelkammer wieder, als Negativ.“ Zöpnek besteht auf traditionellen Arbeitsweisen, sie liebt die Materialität des photographischen Prozesses. Darum photographiert sie auch prinzipiell analog: „Ich will mich beschränken, keine Flut an Bildern produzieren, aus denen ich dann ,die Besten’ auswähle. Analoge Photographie erfordert wesentlich höhere Konzentration. Und lustigerweise haben die Menschen, die ich photographiere, weniger Scheu, wenn ich mich ihnen mit meiner alten Leica nähere.“